
U.D.O. – Animal House
Text © Ritchie Newton
Wenn sich Legenden neu erfinden, kann das entweder in die Hose gehen oder wie eine Bombe einschlagen – Animal House war Letzteres. Ich war ehrlich gesagt damals völlig von der Rolle, als Udo Dirkschneider seinen Abschied von ACCEPT verkündete. Eine Ära ging zu Ende. Ich hatte Restless and Wild, Balls to the Wall und Metal Heart förmlich inhaliert, doch Russian Roulette ließ mich schon etwas ratlos zurück. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich Ende der Achtziger mehr dem amerikanischen oder englischen Hardrock hingab – Mötley Crüe liefen heiß auf meinem Tapedeck, oder die NEOBHM Heroes Iron Maiden oder Judas Priest donnerten mir das Hirn weich.
Doch dann, BAM – eine Anzeige im Metal Hammer. Udo ist zurück! Und zwar mit einer eigenen Band namens U.D.O., und das Debüt Animal House stand in den Startlöchern. Ich rannte schnurstracks zum Plattenladen meines Vertrauens, riss die LP aus dem Regal – und was mir da entgegenknallte, war ein lupenreines Heavy-Metal-Manifest. Keine Spielereien, keine Kompromisse – das war Udo pur. Und das Beste: Alle Songs wurden noch von Accept geschrieben, bevor sie sich endgültig neu formierten. Ein vermächtnisgewordenes Album also, das die Brücke schlug zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Wichtig: Ich rede hier von der original deutschen Vinyl-Erstpressung aus dem Jahr 1987 – erschienen bei RCA. Diese Version beinhaltete 10 Tracks. Der Song „Run for Cover“, der später auf CD-Versionen auftauchte, war nicht dabei! Wer wie ich damals die LP kaufte, bekam diese gnadenlose Tracklist:
Seite A
1. Animal House – Der Titeltrack ist ein gnadenloser Opener. Stampfend, wild, mit einem Refrain, der einem wie ein Vorschlaghammer in die Kauleiste fährt.
2. Go Back to Hell – Giftiger, fast punkiger Midtempo-Brecher. Der Titel ist Programm.
3. They Want War – Der erste große Hit, auch als Single veröffentlicht. Politisch, provokant, perfekt produziert. Ein Stadionkracher!
4. Black Widow – Grooviger als alles, was Accept je gemacht hatten. Düster, gefährlich, sexy.
5. In the Darkness – Eine Hymne mit Ohrwurmrefrain und klassischem Metal-Riffing.
Seite B
6. Lay Down the Law – Schnörkelloser Banger mit Doublebass-Attacke und Sirene-Voice.
7. We Want It Loud – Und wie! Die Faustregel für jeden Headbanger.
8. Hot Tonight – Ein Song für verschwitzte Clubs und lange Nächte.
9. Warrior – Marschiert wie ein Panzer durch die Gehörgänge.
10. Coming Home – Power-Ballade? Fast. Emotion trifft auf rohe Stimme – Gänsehaut.
Line-Up (zum Niederknien):
Udo Dirkschneider – Vocals (der Titan kehrt zurück!)
Mathias Dieth – Lead Guitar
Peter Szigeti – Rhythm Guitar
Frank Rittel – Bass
Thomas Franke – Drums
Produziert wurde das Ganze von Mark Dodson, der u.a. auch für Anthrax gearbeitet hat – was dem Sound ordentlich Punch verleiht.
Zwei Jahre später durfte ich U.D.O. dann live erleben – als Support für niemand Geringeren als Ozzy Osbourne in der Rudi-Sedlmayr-Halle in München. Was soll ich sagen? Er hat alles weggeblasen. Keine Spur von „Ex-Frontmann“. Udo stand da wie ein Kommandant vor seiner eigenen Armee – die Band tight, die Songs on point. Da wurde nicht gefragt, da wurde befohlen: Bang your head – JETZT!
Kurz gesagt:
Animal House war nicht einfach ein Debütalbum. Es war eine Kampfansage, eine Befreiung, ein Triumph. U.D.O. trat aus dem Schatten von Accept – und machte diesen Schatten mit einem Donnerschlag zur eigenen Bühne.
Jetzt seid ihr dran!
Was bedeutet Animal House für euch? Hattet ihr damals auch das Gefühl: „Udo ist zurück – und wie!“? Wer war damals beim legendären München-Konzert dabei? Schreibt's in die Kommentare – für alle echten Metalheads, für die Animal House mehr war als nur ein Albumtitel.

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